75 - Folge 10.15 - Mutterschaft. „Medea.Stimmen“ von Christa Wolf

Shownotes

In „Medea.Stimmen“ treffen wir auf Stimmen, die uns die Episode um Medea aus der griechischen Mythologie etwas anders erzählen: aus feministischer Perspektive, mit dem Fokus auf Herkunft und Mutterschaft.

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00:00:03: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge Mittwochs bei Goethe.

00:00:31: Es ist meine letzte Folge vor der Sommerpause, also in diesem Studienjahr Und wir haben uns das Thema Mutterschaft vorgenommen.

00:00:42: Dazu habe ich euch einen Roman aus dem zwanzigsten Jahrhundert mitgebracht, der heißt Medea Stimmen und stammt von der Schriftstellerin Christa Wolff.

00:00:53: Ja die Geschichte von Medea aus der griechischen Mythologie kennt wahrscheinlich jeder von Euch – Medea als Wahnsinnige, die ihren Bruder und ihrer beiden Söhne tötete!

00:01:04: Bei der Schriftstellerin Christa Wolff aber klingt das im zwanzigsten Jahrhunderts ein bisschen anders und das schauen wir uns jetzt gleich an.

00:01:12: Christa Wolf ist eine Schriftstellerin aus der ehemaligen DDR, in ihrem Werk beschäftigt sie sich viel mit Themen die Frauen betreffen.

00:01:20: besonders oft geht es um den Lebenszyklus der Frau also eigene Geburt, Menstruation, Geburt dann als Mutter sozusagen Mutterschaft, Menopause und Tod.

00:01:32: Im Roman, das zeigt uns schon der Titel wird von Stimmen getragen.

00:01:37: Es sind Stimmen der Vergangenheit genauer gesagt aus der griechischen Mythologie die uns die Wahrheit berichten wollen und ihre Version der Geschichte erzählen.

00:01:49: Die Stimmen im Roman gehören Medea, Jason und Glauke.

00:01:55: Der Roman beginnt am Königshof der Korinther.

00:01:58: Also steigen wir direkt in die Geschichte ein, es gibt dann ein paar Rückblenden um die Vorgeschichte kennenzulernen aber zu diesem Zeitpunkt sind Jason und Medea schon aus ihrer Heimat Kolchis geflohen und haben das Goldene Fließ im Gepäck.

00:02:13: Wir können uns vielleicht daran erinnern dass sie dazu Medeas Vater überlisten mussten.

00:02:19: also medea hat Jason geholfen dieses goldene fließ zu bekommen und die beiden sind ein Liebespaar geworden.

00:02:27: Jason will eigentlich seinen Platz als Königssohn, also dann als künftiger König in Jolcos einnehmen – also in seiner Heimat.

00:02:36: Das funktioniert aber nicht und wird dort nicht wirklich anerkannt und deshalb stranden die beiden sozusagen im Korinth.

00:02:45: Korinth ist fremd und ganz, ganz anders.

00:02:49: Es ist reich sehr zivilisiert sozusagen und steht in einem krassen Gegensatz zu Medeas Heimat Kolchis was so ein bisschen ursprünglich ist und sehr savage sozusagen.

00:03:05: Medea ist zum Zeitpunkt ihrer Ankunft bereits hoch schwanger mit ihren Söhnen und die beiden nehmen an einem Festteil Und dabei sieht mit der, wie die Königin Quarens Merope sich hinausschleicht.

00:03:20: Sie folgt ihr heimlich und sieht dass die Königen so neben einer Tür stehen bleibt und zu weinen beginnt.

00:03:27: Dass die Könige dann weitergeht geht mit der an die Stelle und ertastet ein Kinderskelett.

00:03:34: Und sie schließt daraus, das sind wahrscheinlich die Überreste der Tochter der erstgeborenen Iphinoe und die, die Mutter hier trauert.

00:03:47: Medea freundet sich im Laufe der Zeit in Korinth nicht mit vielen Leuten an aber mit der zweiten Königstochter nämlich Glaucke Und sie hat ab und zu epileptische Anfälle und alle halten sie für verrückt seine ungeliebte Tochter.

00:04:04: Aber Medea ist eine Heilerin und eine Zauberin und sie hilft ihr ein bisschen besser mit diesen Anfällen umgehen zu können.

00:04:13: Ganz in der Tradition der Psychoanalyse findet sie dann auch heraus, dass diese Anfälle wahrscheinlich durch ein Trauma ausgelöst wurden.

00:04:21: Und das könnte sogar die Entführung und Ermordung der eigenen Schwester gewesen sein, die Glauke da mit ansehen musste.

00:04:32: Mit ihr macht sich am Hof in Korinth durch ihre eigenständige Art zu denken immer mehr Feinde.

00:04:39: Hinter ihrem Rücken wird sie zur Hexe gemacht und verleumdet.

00:04:43: Da Yasorn und sie sich schon längst entfremdet haben, die sind das Paar nicht mehr so stabil.

00:04:50: Gibt es nun eine Möglichkeit für Yasorn?

00:04:53: Er kann mit der nicht helfen.

00:04:55: Er interessiert sich dafür auch nicht besonders aber er hat einen anderen ein anderes Ziel vor Augen.

00:05:01: Wenn er selbst nicht König werden kann dann könnte er doch wenigstens König in Korinth werden.

00:05:08: Es geht aber nur dann wenn er eine Königstochter heiratet Und die Wahl fällt auf Glauke.

00:05:15: Es ist die letzte, die übrig geblieben ist und ihr Vater willigt ein und sagt ja so einen Soll-Glauke heiraten.

00:05:23: Mit der soll durch eine Intriege in die Verbindung geschickt werden.

00:05:29: Bevor sich mit der jedoch fortbegibt schenkt sie Glau ke ein weißes Kleid als Hochzeitsgeschenk.

00:05:35: Dieses Kleid lässt mit einem Zauber belegt der Glauke wieder klar sehen trifft ihre Entscheidung, lenkt ihre Wachen die sie immer begleiten müssen geschickt ab und begeht Suizid indem sie in den Brunnen springt.

00:05:53: Wenig später dann lebt mit ihr mit einer Freundin Lissa in der Verbannung und eines Tages erreicht sie die Nachricht dass ihre beiden Söhne von den Korintern gesteinigt wurden.

00:06:05: Dieser Mord wird ihr zur Last gelegt ebenso wie der Mordanglauge und an ihrem eigenen Bruder schon von früher, und man erzählt sich der Mantel den sie Glauge geschenkt hat sei vergiftet gewesen.

00:06:19: Und so soll mit er die Zauberin der Nachwelt in Erinnerung bleiben als Mörderin.

00:06:28: Hier die Motive, die hier ganz stark vertreten sind, sind Heimat- und Mutterschaft.

00:06:34: Mit der fühlt sich in Korinth total fremd.

00:06:37: Das wird gleich in den ersten paar Seiten ausgedrückt, sie sieht nämlich einen kleinen Baum vor dem Fenster.

00:06:45: aber wir erfahren dass es nicht dasselbe wie jener ist er in ihrer Heimat von ihrem Fenster gewachsen ist.

00:06:52: Dieser ist nämlich nur ein kleiner Ölbaum und der zu Hause war ein starker Baum mit vielen Ästen.

00:06:58: Und in der Erzählung symbolisiert dieses Bild ihre starke Bindung zu ihrer Heimat Kolchis, also diese Verwurzelung zuhause und dieser vielen, vielen Äste, dieser Stamm, der niemals vergehen wird, ist einfach etwas ganz anderes als dieser kleine Olivenbaum vor ihrem Fenster.

00:07:18: Ja Fremdheit ist allgemein ein großes Thema im Romanen?

00:07:21: Alle Fremden werden grundsätzlich ausgegrenzt und kritisch beäugt.

00:07:28: Jason kann sich schließlich inkorinth behaupten, also er symbolisiert ein bisschen diesen Mitläufer der sich wie ein Chameleon an seine Umgebung anpasst.

00:07:40: Sein Gegenstück ist mit der – die kann sie nicht anpassen will sich auch Und dadurch, dass sie auch eine Heilerin ist, ist man bei ihr natürlich sehr schnell bei der Zuschreibung, dass die eigentlich eine Hexe ist.

00:07:54: Ein großes Thema ist dann auch die Mutterschaft.

00:07:58: Diese Königin, die Königinn Corinns Meropee, ist das Beispiel für eine still leidende Mutter, die gute Miene machen muss wenn sie im Bereich gedeckten Tisch beim Fest sitzt aber in Wahrheit zerbricht sie fast daran, dass ihre Tochter getötet wurde.

00:08:16: Ihr stiller Kummer steht im Roman für alle Mütter, die ein Kind verloren haben.

00:08:21: Die Gesellschaft um sie herumtut so als wäre nichts geschehen und es wäre das ein bisschen eine Detailgeschichte am Rande.

00:08:30: aber für Sie, für die Mutter selbst wird nicht wieder so werden wie es einmal war Und auch mit der fügt sich in die Mutterrolle ein.

00:08:40: Sie ist deutlich unabhängiger, liebt ihre Söhne sehr und umso schrecklicher ist es am Ende für sie als Kindermörderin verleumdet zu werden.

00:08:52: Schließlich stellt Medea für Glauke einen Mutterersatz dar indem sie sich um sie kümmert.

00:09:00: also Glau ke is ja das ungeliebte Kind und als Medea kommt sagt sie zu ihr kommen lass uns das ansehen.

00:09:07: vielleicht kann ich dir helfen mit meinen Heilkräften und dadurch symbolisiert sie für Glauke eine Mutter, die sie selber nicht gehabt hat.

00:09:19: Wir können auch Glaubes zur Rissenheit dann später spüren wenn es sich nicht sicher ist ob sie Partei für ihre Familie oder für Medea ergreifen soll.

00:09:31: Der Roman mit der Stimmen ist sehr unterschiedlich aufgenommen worden.

00:09:35: Die Frage ob man einer mythologischen Figur Ich weiß nicht sozusagen freisprechen kann, also es geht immer sehr viel darum.

00:09:43: mit der ist sie mal als die böse dargestellt worden und die Autorin will sich freisprechen.

00:09:48: quasi so Böse war sie ja gar nicht.

00:09:52: Das ist eine patriarchale Erzählung.

00:09:55: meiner Meinung nach geht das am Sinn der Fragestellung vorbei.

00:09:58: Eine mythologische Figur ist eine mythologischen Figur.

00:10:02: Die kann man nicht freisprechend sondern es ist eigentlich für mich mehr eine einfach Ein Charakter, in dem sich sehr viel abbildet.

00:10:10: Sehr viel zutiefst menschliches wie alle mythologischen Figuren und die kann man auch verändern.

00:10:17: Die kann man uminterpretieren, die kann ein bisschen anpassen an die Zeit denn sie stehen genau für das stellt sich immer die Frage bei mythologischem Figuren wofür stehen Sie?

00:10:27: Und wovor stehen Sie noch in der heutigen Zeit?

00:10:31: Meiner Meinung nach, also ist es eine mutige neue Interpretation eines sehr alten Stoffes.

00:10:37: Ich habe eine völlig andere Perspektive einmal und dabei wirklich gut geschrieben.

00:10:42: Es ist einfach ein exzellentes Buch!

00:10:45: Das erneute Abtauchen in die griechische Mythologie für jeden der ich jetzt lesen möchte lohnt sich also jedenfalls.

00:10:52: Ich wünsche euch viel Spaß dabei Und verabschiede mich hiermit in die Sommerpause.

00:10:57: Schönen Sommer und bis zum Herbst!

00:11:15: Tschüss und Servus!

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